Invasive Wörter
Heimische Tierarten und invasive Tierarten
In der Biologie spricht man seit einigen Jahren gerne von invasiven Tier-und Pflanzenarten. Das sind Eindringlinge, die aus fremden Gegenden der Erde stammen und nun den heimischen Tier- und Pflanzenarten verdrängen.
Ein krasses Beispiel sind die Nilgänse: Körperlich größer und aggressiver, machen Sie an Seen und Gewässern den einheimischen Enten und Gänsen das Leben schwer. Diese werden attackiert und verdrängt. An meinem Lieblingssee ist seit diesem Jahr 2025 ein Nilganspaar anzutreffen. Stockenten sind es nur noch drei; bisher waren es Dutzende. Andere Entenarten sind ebenfalls kaum mehr anzutreffen. Dafür hat das bis jetzt noch einzige Nilganspaar nicht weniger als neun Jungtiere erfolgreich durchgebracht! Die bisherigen Enten und Gänse konnten keine Brut mehr durchbringen.
Heimische süddeutsche Wörter und invasive norddeutsche Wörter
Auch im sprachlichen Bereich gibt es solche fremden Eindringlinge, die den Lebensraum der angestammten Wörter besetzen und sie verdrängen. Wären Wörter Pflanzen oder Tiere, wäre schon längst ein Aufschrei durchs Land gegangen und massive Schutzprogramme wären angelaufen. Aber es geschieht nichts ...
Mein Lebensmarkt verkauft kein Blaukraut mehr, sondern nur noch norddeutschen Rotkohl. Mein Handwerkermarkt verkauft keine Meterstäbe mehr, sondern nur noch ebensolche Zollstöcke. Es sind hunderte von süddeutschen Wortarten von der Ausrottung bedroht. Man könnte auch in Anlehnung an die da und dort angeprangerte "Kulturelle An-Eignung" von einer gegensätzlichen "Kulturellen Ent-Eignung" sprechen, von einem Raub und einer Vernichtung des angestammten sprachlichen Kulturgutes.
Vor die folgende Wörterliste stelle ich ein Zitat aus den Zeitungen der Zeitungsgruppe Stuttgart vom 22. Januar 2026. Eine Aline Groß schreibt dort in der Rubrik "Auf gut Schwäbisch": "I krieg mei Essa gliefert, weil i scho so alt ben, aber heut isch mir abbes uffgfalla: Des Essa wird zwor en Stuagert kocht, aber dia könnet net Schwäbisch. Do stoht druff: ,Frikadelle mit Karotten, Erbsen und Bratkartoffeln. Nachtisch: Apfelkompott.´ Bei ons Schwoba hoißt des: ,Floischküchla mit gelbe Rüaba, Broggela ond gröstete Ebira. Nochtisch: Äpfelbrei.´
Heimische | Aggressiv-invasive norddeutsche "Wortarten", | |
Ackersalat | Feldsalat Nur in Norddeutschland geht man aufs Feld, sonst auf den Acker. | |
Badetäschle | Kulturbeutel | |
Badsch; badscha | Handschlag; klatschen, Beifall klatschen | |
Beggersacha | Backwaren | |
Beig; beiga | Stapel; stapeln | |
Blaukraut | Rotkohl Das Kraut wächst blau; rot wird es erst duch Erhitzen. | |
blos Adverb | nur Adverb | |
Bulldogg m | Traktor | |
Dachrinne | Regenrinne | |
Dede (Döte), | Patenonkel, | |
Diraschnall f | Türklinke | |
Dräbbler (Treppler) | Pedal (beim Fahrrad) | |
Dreible (Träuble) | Johannisbeere | |
Flaschner | Klempner Reinhard Mays Lied "Ich bin Klempner von Beruf" würde auch mit einem "Flaschner" gut funktionieren. | |
Fleischküchle | Frikadelle, Bulette | |
Gåes, Gåesbogg | Ziege, Ziegenbock Die gesamtgermanischen Wörter sind Geiß iund Geißbock, vgl engl. "goat"; Ziege und Ziegenbock sind hochdeutsche Eigenwilligkeiten | |
Gautsch | Schaukel | |
Gedde, Godde | Patenonkel, Patentante | |
Goggl, | Hahn, | |
Grädda, Gradda | Korb, Weidenkorb | |
Hägger | Schluckauf | |
Hafa m | Topf | |
Heidelbeera | Blaubeeren | |
hendore, | nach hinten geh nach hinten! = schwäbisch gang hendore! | |
Kudder, | Kehrricht, | |
Läberkäs | Fleischkäse Ein unnötiger Käse mit dem neuen Wort! | |
lubfa (lupfen) | anheben, hochheben | |
Kassazäddele | Kassenbeleg Der Kassiererin in meinem Supermarkt ist es per Dienstanweisung (!!) untersagt, zu fragen: "Wollen Sie s´Zäddele (Zettelchen)?" | |
Kraut | Kohl Für Engländer sind Deutsche die "Krauts", nicht die "Kohls"! | |
Lach f (Lache) | Pfütze Lach ist ein europaweites Wort (vgl. engl. lake, ital. lago, franz. lac usw.), Pfütze ist lediglich ein hochdeutsch dialektales Wort | |
Meterstab | Zollstock Der Duden hat immer noch nicht gemerkt, dass in Deutschland schon seit 1873 der Meter das amtlich festgelegte Längenmaß ist. | |
Metzger, | Schlachter, | |
Muggabaddscher | Fliegenklatsche | |
Obacht! | Achtung! Obacht ist als Warnruf ein gesamtsüddeutsch-schweizerisch-österreichisches Wort | |
Peitschenstecken | Landjäger Landjäger war früher die Bezeichnung für einen Polizisten. Man mag sie vielleicht nicht leiden, aber deswegen man frisst sie doch nicht! | |
Peterleng m | Petersilie f | |
Rossbolla m | Pferdeapfel | |
schälla (schellen) | läuten (von der Hausglocke und vom Telefon) | |
Schlotzer | Lutscher, Lolli | |
Schraubazieher | Schraubendreher Wer vertraut einem Handwerker, dessen Schrauben sich locker drehen lassen, statt dass sie fest angezogen sind? | |
Schreiner, ~ei | Tischler, ~ei Darf ein Schreiner jetzt nur noch Tische herstellen? | |
Sias Stiggle | Plunder Süße Stückle sind doch kein alter Plunder, den der Bäcker fortwirft! | |
Stockhafa m | Blumentopf | |
Streichhölzle | Zündholz Dieses kleine Holz zündet durch Streichen! | |
Trottwar Trottoir | Gehsteig, Gehweg Trottoir ist ein europaweites Wort. In Ost- und Südosteuropa ist es das das reguläre hochsprachliche Wort für Gehweg". | |
virre | nach vorne geh nach vorne! = schwäbisch gang virre! | |
Zibeb f | Rosine Zibeb ist das Originalwort und kommt aus der Türkei, wo die Zibeben einst herkamen; Rosine ist eine künstliche Umbildung des franz. "raisin" Traube. |

