Der schwäbische Wortschatz



Es gibt eine Vielzahl schwäbischer Wörterbücher. So unterschiedlich wie die Absichten ihrer Verfasser, so unterschiedlich ist auch ihre inhaltliche Qualität. Es gibt ältere und neue Wörterbücher ganz unterschiedlicher Art und Weise. 


Schwäbischer und hochdeutscher Wortschatz 

Der Wortschatz beider Sprachen ist in Vielem nicht deckungsgleich. Zum einen gibt es zahlreiche schwäbische Wörter, die im hochdeutschen Wortschatz nicht vorkommen. Das bekannteste Beispiel ist wohl die schwäbische "Abir/Ebir", die anstelle des hochdeutschen Kartoffel gebraucht wird. Aber auch Wörter wie hurgla, subfa, nå, ãne, nåra, Gåes, Mulle, Wedde, Stårra, Låes und viele andere mehr bilden den schwäbischen Eigenwortschatz. Dieser ist mit dem Alemannischen und dem Bairischen oft deckungsgleich. 

Zum anderen haben hunderte von Wörtern im Schwäbischen und im Hochdeutschen einen unterschiedlichen Sinn, auch wenn sie ganz ähnlich klingen. Beispiele: "schreien" hat im Schwäbischen schreia die Bedeutung jemanden herbeirufen, "springen" hat im schwäbischen sbrenga die Bedeutung schnell laufen; das hochdeutsche "laufen" bezieht sich auf schnelles Laufen und auf Wettrennen, während das schwäbische laufa die Bedeutung von ruhig gehen besitzt. Das Wort "voll" (mit kurzem o!) ist hochdeutsch eine Mengenangabe, schwäbisch dagegen meint es vollends


Hier nun eine Übersicht über die wichtigsten schwäbischen Wörterbücher: 

1.  Grundlegende schwäbische Wörterbücher

Das erste Schwäbische Wörterbuch überhaupt schrieb Johann Christoph Schmid (*1756 Ebingen, +1827 Ulm). Es erschien posthum (d. h. nach seinem Tod) im Jahr 1932. Sein Wörterbuch ist im Internet verfügbar

Das Schwäbische Wörterbuch von Hermann Fischer (*1851 Stuttgart, +1920 Tübingen) ist das bis heute grundlegende Schwäbische Wörterbuch. Wer wissenschaftlich begründet über die schwäbische Sprache schreiben will, muss dieses Wörterbuch unbedingt kennen und konsultieren, besser noch besitzen.

Es umfasst insgesamt sieben Bände und entspricht auf dem Gebiet des Schwäbischen dem Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm. Hermann Fischer begann seine Arbeit 1883 im Auftrag des damaligen Staates Württemberg. Nach seinem Tod führte Wilhelm Pfleiderer dieses Wörterbuch weiter. Der letzte Band erschien im Jahr 1936. Der Urheberschutz für dieses Wörterbuch ist noch nicht vollständig abgelaufen; im Internet sind nur Teile dieses Wörterbuchs verfügbar. Auf dem Markt für antiquarische Bücher ist es in der Regel für 1000 € erhältlich, selten darunter.

Speziell für Bairisch-Schwaben kommt das Dialektwörterbuch von Bayerisch-Schwaben hinzu, herausgegeben von Werner König, in der Neuausgabe von Brigitte Schwarz. Dank enormer öffentlicher Fördermittel ist dieses Buch trotz seines Umfanges und seiner aufwendigen Gestaltung sehr preisgünstig.

Hermann Wax, Etymologie des Schwäbischen dokumentiert und erklärt den schwäbischen Sonderwortschatz von über 8000 einzelnen Wörtern. Er belegt ihn mit zahlreichen wissenschaftlichen Nachweisen.

Franz Georg Brustgi, Kleines Schwäbisches Wörterbuch ist ein kleines, aber feines Wörterbuch. Es führt vor allem den tagtäglich gebrauchten Alltagswortschatz auf.

Waldemar Nachtrieb, Remstäler Schwäbisch bietet einen guten Zugang zum alltäglichen schwäbischen Gebrauchswortschatz. Er arbeitet die aufgeführten Wörter auch grammatikalisch durch und blickt über den Kirchturmhorizont hinaus.

Albrecht Fetzer, Das Wörterbuch Deutsch - Schwäbisch ist kein Wörterbuch Schwäbisch > Deutsch, sondern ein Wörterbuch Deutsch > Schwäbisch. Es ist ein erklärendes Wörterbuch und zeigt die die unterschiedliche Herkunft der Wörter beider Sprachen: Hochdeutsch aus dem Althochdeutschen und  Schwäbisch aus dem Altoberdeutschen. Die Unterschiede in Gebrauch, Aussprache, Grammatik und Sinn der Wörter werden aufgezeigt und erklärt.  


2.  Lokal orientierte Wörterbücher

In den vergangenen Jahrzehnten sind zahlreiche Wörterbücher mit lokal bezogener Herkunft erschienen. Sie wollen den traditionellen Wortschatz ihres begrenzten Gebietes hervorheben. Aber sie neigen dazu, ihn völlig zu überschätzen. Denn nahezu alles, was sie für den super tollen Wortschatz ihres Dorfes ausgeben, ist zu 99,9% gesamtschwäbischer Wortschatz. Es fehlt den Autoren dieser Bücher schlicht der Blick über den Kirchturmhorizont hinaus.


3.  Juxliteratur

Seit den 1980er-Jahren erscheinen eine Vielzahl schwäbischer Wörterbüchlein. Sie werden mit nicht allzu großem Anspruch verfasst und sind reine Juxliteratur. Sie wollen in der Regel ihre Leser und Leserinnen mit leichter bis seichter Kost bespaßen. Diese Büchlein legt man nach dem Ende einer meist mäßig witzigen Lektüre getrost auf die Seite. Für ein Verständnis der schwäbischen Sprache taugen sie nicht.

Stand 2602